SOLA…WIE? WAS? WO?

Was ist eine SoLaWi?
Das Prinzip SoLaWi – kurz für Solidarische Landwirtschaft lässt sich mit wenigen Worten so erklären: Man wird Mitglied bzw. Anteilnehmer, man gibt Geld und/oder Mithilfe und erhält im Gegenzug einen wöchentlichen Anteil an den erwirtschafteten Produkten.
Dies kann je nach Ausrichtung der jeweiligen SoLaWi Gemüse, Obst, Kartoffeln, Brot, Fleisch, Milch etc. sein. Zum größten Teil handelt es sich dabei um ökologische Erzeugnisse. Unsere SoLaWi „Nimm Anteil“ baut schwerpunktmäßig Gemüse an – in Bioland- Qualität. Es gibt zusätzlich die Option, Brot und Eier vom Biohof Meibohm zu beziehen.


Warum eigentlich Solidarisch?
Solidarische Landwirtschaft bedeutet in unserem Fall das gemeinschaftliche Teilen von Erfolgen und Misserfolgen in der Erwirtschaftung unseres Gemüses. Alle Anteilnehmer sind angehalten, durch ihre Mithilfe für eine gute Ernte zu sorgen und tragen solidarisch das Risiko von Ernteausfällen. Hiermit grenzt sie sich von herkömmlichen Wirtschaftsformen ab, in denen z.B. ein einziger Landwirt das alleinige Risiko trägt.
Aber die Solidarität richtet sich auch an unsere Umwelt und vor allem an den Boden, den wir bewirtschaften. Der Anbau erfolgt nach Bioland-Kriterien, was eine ökologische und ressourcenschonende Herangehensweise an die Landwirtschaft bedeutet.


Wer macht mit?
Einzelpersonen, Paare, Familien, jung und alt, Fleischesser, Vegetarier und Veganer – es gibt vieles, was uns SoLaWistas unterscheidet. Dennoch vereint uns ein gemeinsamer Wunsch: Zu wissen, wo unser Gemüse herkommt und ihm beim Wachsen zu schauen zu können.
Jedes Mitglied bringt sich nach eigenen finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten ein, damit unser Projekt gelingt und Zukunft hat. Und da es ein weites Aufgabenfeld gibt, ist Platz für viele Talente!


Was gibt es bei uns?
Leckeres Gemüse von Aubergine bis Zucchini, frische Salate und aromatische Kräuter – dabei auch unbekanntere Sorten wie Portulak oder lange Radieschen.
Unsere Gärtner Moritz und Micha bauen mit tatkräftiger Unterstützung der SoLaWistas auf der Bioland-zertifizierten Ackerfläche des Biohofs Meibohm in Ahrenswohlde Gemüse, Salate und Kräuter an.
Zusätzlich kann man Kartoffeln beziehen und in Kooperation mit dem Biohof Meibohm Brot aus dem Holzbackofen und Eier von glücklichen Hühnern bestellen.
Wir stehen noch am Anfang und es tun sich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf, wie z.B. aktuell unsere Obstlieferung im Herbst.


Wo findet man uns oder besser: unser Gemüse?
Die Ackerfläche, die von der SoLaWi Nimm Anteil e.V. bewirtschaftet wird, befindet sich in Ahrenswohlde und gehört zum Biohof Meibohm.
Unsere wöchentlichen Erntelieferungen können in sechs Depots im Landkreis Stade abgeholt werden: Ahrenswohlde, Harsefeld, Apensen, Buxtehude, Jork und Stade.
Die Depots sind in Garagen oder Schuppen auf Privatgeländen untergebracht, zu denen man als SoLaWista Zugang hat, um den Ernteanteil abzuholen. Zu den Stoßzeiten kommt man garantiert miteinander ins Gespräch – nicht nur über das Gemüse, das man grade in die Tasche packt.


Wer noch?
In unserer Umgebung sind noch weitere SoLaWis aktiv. Ein Besuch der Websites lohnt sich:

www.wirgarten.com (Lüneburg)
www.solawi-superschmelz.de (Buchholz)
www.solawi-vierlan.de (Hamburg Süd-Ost)


Wie fängt sowas an? Ein kleiner Rückblick
Nachdem unser heutiger Gärtner Moritz schon lange den Gedanken an die Gründung einer SoLaWi mit sich trug, hat er mit einigen weiteren motivierten Mitstreitern im Herbst 2018 die ersten Schritte gewagt.
Nachdem es positive Rückmeldungen aus dem persönlichen Umfeld gab, konnte es weitergehen: Infoveranstaltungen, der Anbau- und Wirtschaftsplan und die Organisationsform mussten vorbereitet werden.

Obwohl weiterhin Zweifel bestanden, nicht genügend begeisterungsfähige Mitmacher zu finden, wurde die Idee tapfer weiter verfolgt. Die anfänglichen Zweifel wurden recht schnell dadurch beseitigt, dass die minimale Teilnehmerzahl bei der Gründungsveranstaltung weit überschritten wurde und es schlussendlich sogar eine Warteliste gab. Die Gründungsmitglieder waren überwältigt und es konnte weitergehen.

Nachdem zunächst die Wahl auf einen n.e.V fiel, wurde dies nach kurzer Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen schnell gekippt: wer möchte als Privatperson schon für 120.000 € haftbar sein? Also ging es noch mal einen Schritt zurück und eine schnelle Umstrukturierung in einen e.V. erfolgte.
Nach der Gründungsveranstaltung war der Vorstand gewählt, die Ackerfläche bekannt, die Mitmacher gefunden – und wir standen da mit einem Stück unbewirtschafteten Acker.

Gemeinsam haben wir im Grunde mit den Eckdaten zu Ackerfläche, Investitionsvolumen und der Anzahl zu beliefernder Haushalte ein Start-Up aus dem Boden gestampft.
Um die Sache ans Laufen zu bringen, mussten Strukturen geschaffen werden. Dazu zählte der Ausbau des Wirtschafts- und Anbauplans, die Anstellung von Gärtnern, der Erwerb des Transporters, der Geräte und weiterer Infrastruktur, der Aufbau von Kommissionierung, Logistik und Depots. Oberste Priorität hatte die Beschaffung (gebrauchter) Folientunnel, um mit dem Anbau beginnen zu können. Wir wurden fündig und die Abbauaktion auf einem Feld bei Bremen ging in die Annalen der SoLaWi ein.

Nachdem der Wiederaufbau auf unserem Acker eine ähnlich beispiellose Aktion mit vielen helfenden Mitgliedern wurde, kamen der erste kleine Rückschlag recht schnell: der Wind deckte die Folientunnel wieder ab, was nicht nur zusätzliche Arbeit bedeutete, sondern auch das geplante erste Pflanzen verschob (wie würden hier die Mitglieder reagieren?), der Regen versetzte den Acker in eine Sumpflandschaft – Anbau unmöglich. Und dennoch: es wurde um Hilfe gebeten und zahlreiche, begeisterte Mitstreiter packten mit an. Wir hatten schon soviel geschafft!
Trotzdem wieder die Frage: Machen wir das richtige? Wie sehen die Familien der Hauptakteure in dieser Zeit den intensiven Einsatz für etwas, das noch gar nicht sichtbar und greifbar ist? Ist die SoLaWi gerade Fluch oder Segen? Abgesehen von einer 4tägigen Weihnachtspause hieß es bis Ende März täglich: mehrere Stunden Arbeit auf dem Papier, um für den Acker die richtigen Strukturen zu schaffen.

Als sich die Kommissionierer am 3. Mai nach getaner Arbeit die Erde von den Händen klopften, war das fast ein feierlicher Moment. Unser Transporter war mit der ersten Ernte beladen und die Tour zu den Depots konnte losgehen. Es war geschafft und kaum zu fassen: die Mühe würde mit etwas Greif- und Essbarem belohnt werden!
Gemeinsam hatten wir das Projekt wirklich ans Laufen gebracht – dank der Unterstützung unserer Mitglieder und dank der Unterstützung unserer geduldigen und wirklich großartigen Verpächter Familie Meibohm, die uns stets mit Rat und Tat, einem offenen Ohr und einem netten Wort, ihrer riesigen Kaffeemaschine und den geöffneten Toiletten zur Seite stehen.